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15.08.2010




 

Blankenheimerdorf am 21.07.2010

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Taat 
Das Mundartwort weckt Erinnerungen an leibliche Genüsse. Es wird auf Französisch „tarte“ geschrieben und der Holländer sagt „taart“, gemeint ist in jedem Fall die Torte. Die Eifeler Taat nahm und nimmt eine Sonderstellung ein, bekannt ist das Zitat „Prommetaat un Appeltaat, alles weed parat jemaad“ aus dem Kölner Raum. Pflaumen- und Apfeltorte waren ein Muß beim häuslichen „Kirmesback“ (Festtagsbackwerk), der nicht selten aus 20 und mehr Taate bestand und zu dem auch der eine oder andere Streukooche (Streuselkuchen) gehörte. Der absolute Renner war indessen die Jreeßtaat (Grießtorte), deren zentimeterdicker Belag auch nach Tagen noch nichts an Vorzüglichkeit eingebüßt hatte. Taat wurde ausschließlich zu besonderen Anlässen oder Festtagen gebacken, zur Kirmes beispielsweise oder anlässlich einer Hochzeit. Die Anzahl der etwa 30 Zentimeter durchmessenden Köstlichkeiten richtete sich nach der Zahl der zu erwartenden Gäste, oft hatte die Hausfrau einen ganzen Tag lang mit dem „Back“ zu tun. Der heimat- und standesbewußte Eifelbäcker stellt heute noch Taat wie zu Großmutters Zeiten her und findet dankbare Kunden.

Teisch
Die mundartliche Teisch ist eine Tasche, aber eine ganz bestimmte. Während nämlich das hochdeutsche Wort „Tasche“ für alle taschenartigen Objekte steht, bezeichnet unser „Teisch“ ganz speziell die Tasche in der Kleidung, zum Beispiel die Botzeteisch (Hosentasche), die Jacketeisch (Jacken-, Rocktasche) oder die Schüezeteisch (Schürzentasche). Transportable Behältnisse, die Handtasche etwa, die Akten-, Einkaufs- oder Schultasche, heißen dagegen Tasch. Wer sich einem Mitmenschen überlegen fühlt, stellt fest: „Dech dohn ech doch ad lang en de Teisch“ (Dich stecke ich doch schon lange in die Taasche), und wer seinen Zorn nicht „herauslassen“ will, der macht „en Fuus en dr Teisch“ (eine Faust in der Tasche). Unsere Botzeteisch ist in Österreich der „Hosensack“ und an den erinnert bei uns der Begriff Sackdooch (Taschentuch). Die Jongjeselleteisch (Junggesellentasche) ist eine löcherige Hosentasche: Es ist keine Hausfrau da, die den Schaden beheben könnte.

Teischemetz
Das Mundartwort ist allgemein verständlich: Taschenmesser. Ein robustes Teischemetz war für den Eifeler Bauersmann ein unverzichtbares Allzweckgerät, mit dem man beispielsweise die hölzernen Reichelszänn (Rechenzähne) anspitzte, die Obstbäume beschnitt, Birke schnegge (Birkenreisig fürs Besenbinden sammeln) ging oder das verrußte Sejwerdöppe (den Pfeifenkopf) auskratzte. Ein gutes Teischemetz besaß zwei Klingen verschiedener Größe und lag gut in der Hand, mehr brauchte es eigentlich nicht aufzuweisen. Weiteres Zubehör war Spellerej (Spielerei) und kostete unnötiges Geld. Wir Jungens waren indessen mächtig stolz, wenn uns das Christkind ein kleines Teischemetz mit drei oder gar fünf Werkzeugen bescherte. Der „Immerscharf“ von Ohm Mattes besaß zusätzlich zu den Klingen einen Korkenzieher und einen Piefestäucher (Pfeifenstocher).

Termesflasch 
Auch dieses Mundartwort ist der Standardsprache entnommen: Thermosflasche. Die Termesflasch unserer Kindertage war etwa 10 Zentimeter „dick“ und besaß eine farbige Ummantelung aus geripptem Stahlblech. Die Füll- und Ausgussöffnung war vier bis fünf Zentimeter groß und durch einen passenden Korken verschließbar. Über den Korken wurde et Scheppche (kleiner Becher aus Aluminiumblech) geschraubt, das als Trinkgefäß diente. Der doppelwandige gläserne Kühlbehälter besaß am Boden ein zentimeterlanges dünnes Zäpfchen. Das war die Verschlussstelle des Vakuums und der neuralgische Punkt der Termesflasch: Zum gelegentlichen Säubern musste der Isoliereinsatz durch Abschrauben des Halteringes am Flaschenhals aus der Hülle entfernt werden. Dabei genügte eine winzige Unachtsamkeit und das Zäpfchen brach ab. Die Flasche war dann zwar noch dicht, aber die Isolierwirkung war weg.

Thrönche 
Ein Thrönchen ist ein kleiner Thron, ein Kindersitz sozusagen. Et Thrönche (Das Thrönchen) stand zu Omas Zeiten unter dem Bett oder im Nachtskommödchen: Der Nachttopf, den man auch als Näächsjeschier (Nachtgeschirr) oder Kamerpott (Kammertopf) bezeichnete und der ein unentbehrliches Gerät war. Vornehme Leute umschrieben den Topf mit „Mitternachtsvase.“ Es war 1986 auf der Intensivstation. Mir schräg gegenüber lag ein junges Mädchen, durch Sichtschirme vor meinen Blicken geschützt. Ich hörte aber ihr Weinen und ihr häufiges Flehen: „Schwester, Thrönchen.“ Die Schwester ließ sich aus dem Hintergrund vernehmen: „Komm gleich.“ Sie kam aber nicht, zehn Minuten und länger bat die Kranke, - ich hätte diese „Schwester“ lynchen mögen, war aber selber hilflos. Übrigens: Wer einmal auf dieses Krankenhaus-Thrönchen angewiesen war, dem ist die so nützliche Pfanne verhasster als Zahnschmerzen. „Et Thrönche“ hat längst ausgedient, wir finden es allenfalls noch im Museum.

Tommesdall (weiches o)
In Höhe der Flur Maiheck liegt links neben der Kreisstraße 69 nach Nonnenbach zwischen den Anhöhen Katzekuhl (wörtlich: Katzengrube) und Freuschberch (Froschberg) der Bereich „Tommesdall.“ Der Mundartausdruck bedeutet „Thomastal,“ der Ursprung des Namens ist nicht bekannt. Im unteren Talbereich besaßen wir zu meiner Kinderzeit etwa anderthalb Morgen Ackerland. Wegen der relativ kurzen Entfernung brachten wir die Getreideernte aus Tommesdall vom Feld direkt zum Dreischkaaste (Dreschmaschine) nach Blankenheimerdorf, wenn es die Witterung erlaubte. In Tommesdall lernte ich erstmals Eifeler Erdnüsse kennen, die Ohm Mattes beim Pflügen aus der frischen Erde grub und mir zu essen gab. Diese seltsam schmeckenden „Nüsse“ sind die Wurzelknollen des Wiesenkümmels. Im Tommesdall konnte ich vor Jahren einmal ein Fasanenpärchen beobachten.

tööpe (hartes ö)
Das Wort wurde bei verschiedenen Gelegenheiten angewandt, generell bedeutete es „aussuchen, wählen, auf etwas tippen, erraten.“ Beim Zahlenraten war Jüppche seiner Sache sicher: Ech tööpe ens op de Vier (Ich tippe mal auf die Vier), und wenn die Zahl dann stimmte, hieß es bei den Mitspielern: Do häßte ene joode Tööp jedohn (Da hast du einen guten Griff getan). Hatte Jüppche dagegen falsch geraten, dann hieß es: Do häßte äwwer fies drnewwer jetööp (…arg daneben getippt). Wer vergeblich nach einer Antwort oder Problemlösung suchte, der stellte fest: Ech tööpe em Düüstere (Ich weiß mir keinen Rat). Ein gleichbedeutendes Wort wäre in diesem Fall „em Düüstere talepe (im Dunkeln tappen).

töschen (weiches ö)
Das Eifeler Wort für „zwischen.“ Mariechen suchte verzweifelt nach ihrem neuen Sonntags-Kopftuch und stellte schließlich fest, dass das gute Stück töschen de Büjelweisch jeroode (zwischen die Bügelwäsche geraten) war. Beim Schlittenfahren auf Schlemmesch Peisch (Wiesenhang beim Nachbarhaus) war uns ein elterliches Zeitlimit gesetzt: Töschen Daach on Düüster sid ihr drhejm (Bei Anbruch der Dunkelheit seid ihr daheim). Wer Hunger verspürte, der sah zu, dass er jät töschen de Zänn (etwas zwischen die Zähne) bekam, und von einem mageren Mitmenschen hieß es: Dä döesch ens jät töschen de Reppe kreje (Der dürfte mal etwas zwischen die Rippen kriegen). Das Mundartwort ist unverkennbar verwandt mit dem holländischen „tussen“ (gesprochen: tüssen), was ebenfalls „zwischen“ bedeutet.

Trommsäëch (weiches o)
Schrotsäge, Zweimann - Zugsäge für grobe Holzarbeiten, beispielsweise zum Baumfällen und Trömpe (auf Längen zurecht schneiden) der gefällten Stämme. Das frühere Wort für einen schweren oder klobigen Gegenstand, etwa einen Holzklotz, war „Trumm“, Trommsäëch und Trömpe sind davon abgeleitet. Die Trommsäëch kam überall dort zum Einsatz, wo die handliche Rahmsäëch (wörtlich : Rahmensäge = Spannsäge) nicht ausreichte. Die richtige Handhabung der langen Zugsäge erforderte Geschick und Übung.

Troonsdöppe (hartes o, weiches ö)
Gängige Bezeichnung für einen begriffsstutzigen Zeitgenossen, dem man alles zweimool sare moot (zweimal sagen mußte), bevor er das Gesagte kapierte. Ähnliche Ausdrücke waren Troonsliëch oder auch einfach Döppe, - ganz allgemein die Umschreibung von „Trottel“ oder „Dummkopf“. Troonsdöppe heißt übersetzt „Trantopf“ und Troonsliëch ist ein Tranlicht, ob seiner spärlichen Helligkeit abfällig „Tranfunzel“ genannt.


Tuppes
Der Tuppes ist ein Mensch, der nicht unbedingt „doof“ ist, der sich aber leicht an der Nase herumführen und einen Bären aufbinden lässt. Der Tuppes ist gutgläubig, treuherzig und meistens auch ein wenig einfältig. An einem Neubau im Dörf wurde der Dachstuhl gesetzt, Vater als Schreiner ging den Kaastenholz-Männ (die Brüder Paul und Heinrich Kastenholz, zwei einheimische Zimmerleute) ein wenig zur Hand, während ich daheim die Werkstatt hütete. Bei mir erschien ein junger Mann: „Tach, ech soll et Jewiëch van dr Wasserwooch holle“ (…das Gewicht von der Wasserwaage holen). Oha ! Da lag in der Werkstatt das Spanngewicht einer alten Häckselbank herum. Mein Besucher packte sich das Fünfzehnpfundeisen auf die Schulter, zog ab, wuchtete es auf der Baustelle weisungsgemäß die Leiter hoch und deponierte es hoch oben auf dem Firstbalken (das erfuhr ich später). Nach zwanzig Minuten war er wieder bei mir: „Ech brengen et Jewiëch zeröck, die Männ bruchen et net mieh.“ (Ich bringe das Gewicht zurück, die Männer brauchen es nicht mehr). Nochmals oha ! So ungefähr stellt man sich einen Tuppes vor. Die Geschichte ereignete sich im Sommer 1956 bei uns in Blankenheimerdorf.

Tütt
Ein Gebrauchsgegenstand, dessen Vorhandensein derart alltäglich und selbstverständlich ist, dass wir uns seiner gar nicht mehr bewusst sind: Die Papiertüte, die freilich inzwischen weitgehend durch ihre „Plastikschwester“ verdrängt wurde. Es gibt sie aber noch, beispielsweise im Bäckerladen als Verpackung für duftende Brötchen und leckere Teilchen. Im Dorfladen unserer Kinderzeit hing am Nagel hinter der Theke ein Sortiment Papiertüten verschiedener Größen, braune und weiße, spitze und flache, jeder Ware angemessen. „Paß op, dat kejn Tütt kapott jeht (Paß auf, dass keine Tüte beschädigt wird) gab Mam uns Kindern mit auf den Einkaufsweg. Die Einkaufstüten wurden daheim sorgsam geglättet und gefaltet und für die Wiederverwendung aufbewahrt, im Schaaf (Wandschrank) gab es einen ganzen Stapel davon. Jierdrögge Finche (die Verkäuferin) kannte sich aus und hob also die Tüte vorsichtig vom Nagel, damit es keinen Riss gab. Die Tütt war schlichtweg d a s Verpackungsmittel für alles, was es im Allerweltsladen an Kleinwaren zu kaufen gab.

zeröck

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