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21.07.2010




 

Blankenheimerdorf am 21.07.2010

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Nähdesch (weiches e)
Soweit es um häusliche Näh- und Flickarbeiten des Alltags ging, war jede Eifeler Hausfrau ihre eigene Näherin. Für Neuanfertigungen von Bekleidung oder größere Änderungen mußte aber die „Nähdesch“ bemüht werden, die gelernte Schneiderin, oder auch der Schnegger, ihr Berufskollege. So wurde unter anderem die kleine Ortschaft Nonnenbach, wo es keine Nähdesch gab, durch den Waldörfer Schnegger bedient, den Wanderschneider Hubert Kutsch aus dem Nachbarort Waldorf, der ein Hinkebein besaß und regelmäßig für mehrere Tage nach Nonnenbach kam. Die Nähdesch von Blankenheimerdorf hieß Elisabeth Poensgen. Sie wurde nach ihrem Elternhaus Friesen ortsüblich „Jäjesch Liss“ oder auch einfach nur „de Nähdesch“ genannt. Frau Poensgen hat im Jahr 1943 meinen Kommunionanzug angefertigt. Die Anproben fanden meistens sonntags nach der Messe statt: Wir Schlemmershofer mussten zur Kirche nach Blankenheimerdorf, hin und zurück sieben Kilometer Fußmarsch. Der freiwillige „Sonntagsdienst“ der Nähdesch ersparte uns den zusätzlichen Gang zur Anprobe.

Nähschauß
Das Eifeler Schauß ist die hochdeutsche Schublade, das Nähschauß ist mithin eine „Nähschublade“ und die gab es bereits früher an der mechanischen Nähmaschine als schmaler Schubkasten unter der Arbeitsplatte. Eigentlich hätte die Einrichtung „Nähmaschineschauß“ heißen müssen, das Wort war aber zu umständlich und man kürzte auf „Nähschauß“ ab. Das Blankenheimerdorfer Schauß hieß bei uns daheim Schoss, das Schublädchen an der Nähmaschine war somit das „Nähschössje,“ im Alltag ganz einfach „et Schössje“ genannt, weil alle übrigen Schubladen im Haus große „Schosser“ (Mehrzahl von Schoss) waren. Jött beauftragte mich gelegentlich beim Nähen: „Jank holl mir ens dr Püssel üß dem Schössje“ (Geh, hol mir mal das Nadelkissen aus dem Schublädchen). Unsere Nähmaschine daheim war ein „Rheinperle“-Fabrikat, ihr Nähschauß war abschließbar und diente gelegentlich der Aufbewahrung von Geheimsachen.

nonanner
(hartes o)
Das Wort bedeutet „zurecht, ordentlich, heil“ und wird meist im Zusammenhang mit maache (machen) angewendet: „Dat Steng (Christine) hät sech äwwer noch ens nonanner jemääch wie ene Filmstar“, stellte Schäng beim Kirmesball fest. Unsere Jött machte allmorgendlich unsere zerwühlten Kinderbetten „nonanner“ und der an Grippe erkrankte Fränz konnte nicht zur Arbeit, weil er „noch net janz nonanner“ war. Das Wort wird gelegentlich mit noënanner verwechselt. Das aber bedeutet „nacheinander“. Ein anderes Wort für nonanner ist nonej.

noobere (hartes o)
Ein Wort aus der „guten“ alten Zeit. Wenn abends das Vieh versorgt und die Hausarbeit getan war, ging man häufig noch ein wenig „noobere,“ das heißt man ging auf ein Plauderstündchen zum Nachbarn hinüber. Für „noobere“ gibt es kein hochdeutsches Wort, man könnte den Ausdruck mit „die Nachbarschaft pflegen“ übersetzen, denn der Noober ist der Nachbar. Noobere konnte gelegentlich nützlich sein, beispielsweise dann, wenn es beim Nachbarn nach Riefkooche (Reibekuchen) oder Hejnschkooche (Buchweizen-Pfannkuchen) duftete. Bei solcher Gelegenheit fiel in der Regel stets eine Kostprobe für den Besucher ab. Heute geht kein Mensch mehr noobere, lieber „entspannt“ man sich vor dem Bildschirm und handelt im Übrigen nach dem Grundsatz: Was diesseits meiner Grundstücksgrenzen geschieht, geht den Nachbarn nichts an. Es gab auch den Ausdruck „nööbere,“ der aber eher „anbiedern“ bedeutete oder ein Sich-Annähern beschrieb.

Noßdier
Wörtlich „Nusstier“, ein fiktives Wesen, das die Eltern als Abschreckung für uns Kinder erfanden, damit wir beim Nosse (wörtlich „nussen“ = Nüsse ernten) pfleglich mit den Haselsträuchern umgingen. Jede mutwillige Beschädigung der Noßhecke war verpönt und zog unweigerlich ein elterliches Donnerwetter nach sich. Und man konnte von Glück sagen, daß nicht das Noßdier die Untat beobachtet hatte. Auch eine Anwendung von Naturschutz.

Nuckes
„Moor kött dr Baales os Nuckes schlaachte“, kündigte Ohm Mattes an und das hieß, daß am nächsten Tag Hausmetzger Theodor Baales unser Schwein schlachten würde. „Nuckes“ war allgemein unser Wort für das Hausschwein beiderlei Geschlechts, vielfach war auch der Ausdruck Küss gebräuchlich. Zur Definition des Geschlechts wurde das weibliche Tier Kreem genannt, das männliche (kastrierte) Gegenstück war der Bärch. Die Zuchtsau war die Ferkels-Sou, der Zuchteber wurde Bier genannt. Unser Wort für das Wildschwein allgemein war well Sou (wilde Sau).

Nuëtstall
 
Wörtlich „Notstall“, in der Schmiede der enge „Käfig“ aus massiven Holzbalken oder Eisengestänge, in den die Reit- und Gespanntiere zum Beschlagen eingesperrt und zum Stillhalten gezwungen wurden. Das Deutsche Wörterbuch (Grimm) kennt den Ausdruck „Nothstall“ und bezeichnet damit „eine gewaltsam enge umschränkung, ein noth verursachendes gestelle, ge-rüste.“ Als Kind habe ich den Nuetstall als Foltergerät gehasst.

nüüß
„Dat oß äwwer nüüß mieh Jenaues“ war eine häufig gebrauchte Redewendung in schwierigen Situationen, wenn sozusagen „guter Rat teuer“ war. „Das ist aber nichts mehr Genaues“ lautet die Übersetzung, richtig wäre „…nichts Genaues mehr,“ seltsamerweise fand aber der kuriose Wortbau Anwendung. „Nüüß“ ist eine Steigerung von „nix“ (nichts) und könnte auch durch „jar nix“ (gar nichts) ersetzt werden. Unserem mundartlichen „nüüß“ entspricht das artverwandte holländische Wort „nooit.“ Eine weitere Redewendung war „Dat notz mech nüüß“ (Das nützt mir nichts), und wenn wir Pänz allzu neugierig den Karton voller alter Zeitungen und Kalender durchstöberten, gab es unvermutet eine Uhrwatsch (Ohrfeige) und Jött meckerte: „Loß de Fongere (die Finger) dovan, dat jeht dech nüüß aan.“ Früher war auch das Wort „onjenüüßelich“ im Umlauf und das bedeutete habgierig, ungenügsam, unbescheiden. Von einem raffgierigen Zeitgenossen behauptete man: „Dä oß derart onjenüüßelich, dä krett dr Hals net voll.“
 

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