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21.07.2010




 

Blankenheimerdorf am 21.07.2010

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Langfahrt
Mundartwort für den „Baum“ am Acker- oder Erntewagen. Der Langfahrt war die starre Verbindung zwischen Vorder- und Hinterachse und ermöglichte durch Verschieben des Hinterschemels die Verlängerung oder Verkürzung des Fahrzeugs. Das war unter anderem für den Transport von Langholz erforderlich oder bei der Umrüstung des Ackerwagens zum Leiterwagen für die Heu- und Getreideernte. Örtlich war auch die Bezeichnung Lankert üblich, zum Beispiel in Nonnenbach. Der Langfahrt war aus einem etwa zehn Zentimeter dicken Rundholz hergestellt, meistens ein schnack (gerade) gewachsener junger Baum.

Labbes
Der Labbes ist ein Mensch mit unangenehmen Eigenschaften. Die können von Einfältigkeit über Dummheit, Schalk und Hinterlist bis zu Nichtsnutzigkeit und Verkommenheit reichen, - „Labbes“ steht für alle diese Untugenden. Ein Labbes ist in jedem Fall eine männliche Person, eine „Labbessin“ oder Ähnliches gibt es nicht. Gelegentlich ist auch der Körperbau ausschlaggebend, der lange Labbes beispielsweise ist ein häufiges Wort, oder auch Läbbesje für ein unartiges Kind. In unserer Jugend vor fast 60 Jahren waren wir Halbwüchsige im Dorf als jruëß Labbesse (große…) verschrien, weil wir abends Schabernack trieben und Streiche spielten. Die Leute behaupteten von uns, dass wir nix wie Labbessereje em Kopp (nur Nichtsnutzigkeiten im Kopf) hätten.

Lappe
Ein heimisches Mundartwort mit verschiedenartiger Bedeutung. Dem hochdeutschen Lappen fehlt im Eifeler Dialekt das n: Spöllappe, Botzlappe (Spültuch, Putztuch). Besonders der Spöllappe war bei uns Kindern verhasst, der ewig feuchte Fetzen duftete nicht besonders appetitlich. Bei uns daheim gab es den speziellen Fahrradlappe, ein besonderes Putztuch zum Reinigen der Metallteile. Auch eine Überlage auf dem beschädigten Fahrradreifen, - im Krieg eine gängige „Mantelreparatur,“ nannte man Fahrradlappe. Dr Lappe oß affjeloufe bedeutete, dass die Schuhsohle verschlissen war. Ein redseliger oder schwatzhafter Mitmensch war ein Schwaadlappe, oft auch Schwaadschnöß (Maulheld) genannt. Und wenn der Stammkneipenwirt eine Runde spendierte, hob er das Glas und meinte: „Dann losse mir os noch ens dr Lappe naß maache“ (übertragen = die Zunge anfeuchten). Ein zu allen Zeiten begehrter Lappe war und ist der Führerschein.

lappe
Das Tätigkeitswort „lappe“ ist vom Hauptwort „Lappe“ in der Bedeutung von „Schuhsohle“ abgeleitet. Wenn „dr Lappe affjeloufe“ war, mussten die Treter neu jelapp (gelappt = besohlt) werden. In den mageren Kriegs- und Nachkriegsjahren wusste selbst der Dorfschuster nicht an Arbeitsmaterial zu kommen, die Schuhsohlen verschlissen aber nicht weniger als in Friedenszeiten und die Leute waren zu oft abenteuerlicher Selbsthilfe gezwungen. Als „Lappmaterial“ dienten häufig zerschnittene alte Autoreifen. Das Zurechtschnippeln allein war schon eine Heidenarbeit und manches kostbare Teischemetz (Taschenmesser) ging dabei zu Bruch. Schwierig war auch die Beschaffung geeigneter Nägel fürs Befestigen an der Brandsohle, und wo es Nägel gab, da waren sie nur mühsam durch den zähen Reifengummi zu treiben. Ein Nagelständer oder Dreifuß war zwar meistens vorhanden, das Umschlagen der Nagelspitzen im Schuhinneren wollte aber gekonnt sein, ansonsten waren Wundstellen an der Fußsohle und löchrige Strümpfe die Folge. Das Ganze war schließlich jelappte Kroom (gelappter Kram) oder Lapperej, Ausdrücke, die heute noch bei stümperhafter Arbeit angewandt werden.


Läpper
Ein „Läpper“ war ein Mensch, der sich mit Flick- und Reparaturarbeiten befasste. Die landläufige Bezeichnung wurzelt im Tätigkeitswort lappe, womit unter anderem eine notdürftige oder behelfsmäßige Reparatur beschrieben wird. Ein anschauliches Beispiel sind jelappte Klamotte (durch aufgesetzte Flicken ausgebesserte Kleidung). Eine Frau, die sich mit Lappärbed (Arbeit) befasste, war en Läppesch (eine „Läpper´sche“). Das Wort Läpper hatte stets einen etwas faden „Beigeschmack,“ es wurde auch auf fahrendes Volk angewandt, auf Tippelsbröder (Landstreicher) etwa, auf Kesselflicker und auf Zigeuner. Wenn de Läppere im Eifeldorf auftauchten, sperrten die Bauern ihre Hühner in den Stall. Manchmal wurden aber auch die Läpper herbeigewünscht. Wenn beispielsweise der Emaillepott leck war, meinte die Hausfrau: Et wiëd Zitt, dat de Läppere noch ens konn, ose Schlootekomp rennt (Es wird Zeit, daß die Kesselflicker wieder kommen, unsere Salatschüssel rinnt).

leddich
Das Wort bedeutet „leer“ und ist mit dem hochdeutschen „ledig“ verwandt. Ledig im Sinne von „unverheiratet“ heißt unterdessen in Dörfer Platt laus-leddich und das wiederum bedeutet wörtlich übersetzt „lose (locker) - leer“. Es gab stehende Redensarten, beispielsweise „Üs enem leddije Pötz oß et schlech scheppe“ (Aus leerem Brunnen ist schlecht schöpfen) und von einem Zecher hieß es: „Dä süff, boß hä voll on et Pottmanee (Portmonee) leddich oß“. Wenn Albertchen stekum (unauffällig) vom Mittagstisch aufzustehen trachtete, nagelte ihn der elterliche Befehl an den Platz : „Hiejeblewwe (hiergeblieben), dä Teller oß noch net leddich“! Das alte Mundartwort ist nur noch wenigen Senioren geläufig, es hat dem standardsprachlichen „leer“ Platz gemacht.

leeje
Eifeler Wort für „lügen“, örtlich auch „lurre,“ beispielsweise in Nettersheim. „Du solls net leeje“, mahnte Jött (Patentante), wenn wir Kinder etwas „verbrochen“ hatten und erwischt wurden, „lüchs (lügst) du och net“? unterbrach sie mein „Geständnis“ und stellte zum Schluß fest : „Du häß jo doch jeloëje (gelogen). Wer öfter log, der war als Luchpitter oder auch als Lüjener (Lügner) unbeliebt. Das Wort „Lüge“ wurde im Dialekt umschrieben : „Dat oß Leejerej (Lügerei)“ oder einfach „dat oß jeloëje“. Ein spezielles Wort für „Lüge“ gab es nicht, allenfalls den Ausdruck Luch, was soviel wie „Lug“ bedeutet.

Lennert (kurzes weiches e)
„Lennerte“, häufiger aber noch Linnerte, war vor 50 und mehr Jahren ein in den Oberahrortschaften übliches Schmähwort für die Bewohner von Blankenheim, das aber seit der kommunalen Neuordnung 1969 mehr und mehr aus der Mode kam und heute fast vergessen ist. Lennert ist die volkstümliche Berufsbezeichnung des Leinenwebers und somit keineswegs ein Schimpfwort. In Blankenheim gab es aber früher Leinenweber, die offensichtlich in der Bevölkerung nicht besonders hoch geschätzt wurden, denn nach ihnen erfand man das Schmähwort. Zwischen Blankenheimerdorf und Blankenheim bestand früher eine regelrechte Fehde, deren Ursprung heute nicht mehr nachvollziehbar ist. Wenn Blangemer Lennerte und Dörfer Wendböggele (Windbeutel) aneinander gerieten, gab es nicht selten blutige Köpfe. Das aber war zu Großvaters Zeiten und ist heute längst nicht mehr wahr.

Lönt
 (weiches ö)
Die Lönt, gelegentlich auch Lent, bezeichnet den Bauchwandspeck des Schweins, den Flomen, aus dem das feine weiße Schweineschmalz gewonnen wird. Das „Rheinische Wörterbuch“ kennt den hochdeutschen Ausdruck „Lünte“. Bei der Hausschlachtung wurde die Lönt sorgfältig präpariert, nach dem Auskühlen wurde das netzartige Gewebe in kleine Stücke geschnitten und zur Schmalzgewinnung im gusseisernen Kauchdöppe (Kochtopf) ausgelassen. Am Topfboden sammelten sich die Jrewe (Grieben) und die waren, als Griebenschmalz aufs Brot gestrichen, ein besonderer Leckerbissen.

Lötzert (weiches ö)
Eine Dörfer Flurbezeichnung. Nördlich der Ortschaft steht im unteren Haubachtal die denkmalwerte Lambachpumpe, um deren Restaurierung der Geschichts- und Kulturverein bemüht ist. Das ansteigende Wiesengelände rechts des Bachlaufs wird Lötzert genannt und heißt in der Flurkarte Lützert. In Sichtweite stand noch nach dem Krieg an der Bahnstrecke Köln – Trier ein Bahnwärterhaus. Hier war auch ein Schrankenposten, bahntechnisch „Posten 48“ und im Volksmund Lomberg genannt. Auf Posten 48 tat unter anderem der Schrankenwärter Matthias Struben aus Blankenheimerdorf Dienst, wegen seiner nicht eben riesenhaften Statur Strubens Mättesje genannt. Irgendwie war der trockene Ginster auf Lötzert in Brand geraten und Mättesje meldete aufgeregt durchs Streckentelefon dem Fahrdienstleiter in Blankenheim-Wald: „Herr Bahnemeister, der Jinster brüht auf Lützerath.“

 

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