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Jähdurst - schnell - Johann - nach Luft schnappen - Pfad - Fußboden - Jeck - Jeckeböhnche - Heuloch - Steinboden - kaufen - Gras Mahd - Grasschwaden - Gertrud - Hagebutten - Taufpatin - Gott segne dich - Kartoffelschalen - Kartoffelsalat - Krümmel - Heiserkeit
Jähduësch Ins Hochdeutsche übersetzt: Jähdurst, ein Wort, das man im Lexikon vergeblich sucht und das sich regional im Dialekt aus der Alltagspraxis entwickelt hat. Ähnliche Begriffe sind Jähdöüf (Jähtaufe = Nottaufe), Jähduëd (Jähtod), Jähhonger (Jähhunger) oder auch jährief (jähreif). In jedem Fall wird ein plötzlich eintretendes, negatives Ereignis bezeichnet. Der Jähdurst konnte gefährlich werden, wenn man zu schnell und zu viel auf einmal trank. An der Maiheck (Flurname), wo heute das Pumpenhaus der Wasserversorgung steht, besaßen wir früher eine Wiese. Bei der Heuernte war es oft jämmerlich heiß, der Jähduesch überfiel die Erntemannschaft, einer von uns Pänz wurde losgeschickt, an der Seggebaachquell (Seidenbachquelle, die heute die Wasserversorgung speist) Frischwasser zu holen. Die Quelle war nur wenige Minuten entfernt und trat in einem kleinen Erdfall zutage. Ihr Wasser war eiskalt und köstlich frisch. Wir wurden ermahnt, zunächst die Unterarme ein paar Augenblicke ins Wasser zu stecken und dann langsam und in kleinen Schlucken zu trinken, damit der Körper nicht schlagartig abkühlte. Eine derartige jähe Abkühlung nannte man „vertrinken.“
jäng „Jank ens jäng jät Jrompere holle“ (Geh mal rasch ein paar Kartoffeln holen) wurde Jüppche von Mam (Mutter) in den Keller geschickt. Das Umstandswort „jäng“ bedeutete generell „schnell“, wurde aber eigentlich nur im Sinne von „rasch, auf der Stelle, sofort“ angewandt, wenn also sozusagen etwas „auf die Schnelle“ geschah oder geschehen sollte. Die vom Dokter verschriebene Melezien (Medizin) mußte schnell beschafft werden und Paul wurde beauftragt: „Fahr jäng en de Apthek“. Eine Redewendung wie „Dr Zoch fährt jäng“ war dagegen völlig undenkbar, der Zug fuhr schnell, aber nicht jäng. Und wenn heutzutage Jannespitter seine Zeche bezahlt, um den sonntäglichen Frühschoppen zu beenden, tut er das mit den Worten: „Jut Jung jeht jetz janz jäng“.
Jannespitter Jannes ist eine von mindestens acht Namensgebungen, die der Eifeler anstelle von „Johann“ oder besser noch „Johannes“ kennt, Katze Jannes war beispielsweise ein Einwohner von Blankenheimerdorf. Die Kombination „Jannespitter“ bedeutet somit Johannpeter, sie ist ein häufig angewandter Begriff für eine frei erfundene Person, für die man einen ebenso fiktiven Namen benötigt. Ein ähnliches Beispiel ist Pitterjuësep (Peterjosef). Da klagte beispielsweise seinerzeit Jannespitter über massive Zahnschmerzen. Stombs Wellem, um 1900 ein Wanderschuster und bekanntes Dörfer Original, half ihm aus der Not, - auf seine spezielle Weise. Der kranke Zahn wurde durch einen Peichdroht (Pechdraht, Schustermaterial) stramm mit dem Tischbein verbunden und Wellem stach den Patienten unversehens mit der spitzen Süül (Schusterahle) ins Hinterteil. Jannespitter machte einen erschrockenen Satz und der Zahn baumelte am Peichdroht. Dunnerkiel, soll sich Jannespitter damals gewundert haben, dä Zannt hatt äwwer deef Wuëzele (Donnerwetter, der Zahn hatte aber tiefe Wurzeln).
jappe Nach Luft schnappen, gähnen oder hecheln. Es gab ein allgemein übliches geflügeltes Wort bei großer Sommerhitze : „Et oß esu hejß dat de Kroohe jappe“, daß also die Krähen nach Luft schnappen. Mühsam erklomm der etwas gewichtige Thuëres (Theo) den steilen Weganstieg und keuchte : „Jungejung, do sen (bin) ech äwwer fies aan et Jappe jeroode (geraten)“. Und nach getaner Arbeit gähnte Üem (Onkel) Pitter mehrmals herzhaft und stellte fest : „Ech han äwwer en Japperej am Liev, ech jlööv, ech moß mech jät op et Uhr läje“ (aufs Ohr legen).
Jasse Päädche „Jasse“ war früher der Hausname des landwirtschaftlichen Anwesens Reetz auf dem Kippelberg (heute Roederstein). Ein „Päädche“ war und ist ein kleiner schmaler Fußweg, ein „Pfädchen.“ Nur noch die Senioren in Dorf erinnern sich an „Jasse Päädche,“ das damals als Zugang zu den Gärten am Ortsrand diente. Wo heute das Wohnhaus von Kajo Schlemmer steht, gab es früher Jasse Schüer (Scheune) und neben diesem Gebäude war der Aufstieg zu Jasse Päädche. Der meterbreite Pfad führte etwa 80 Meter weit zwischen Stacheldraht- und Gartenzäunen hindurch und mündete auf die Ortsstraße „Tonnenpesch,“ die damals noch ein namenloser Feldweg war. Links vom Päädche lag Jasse Wejd (Viehweide), rechts waren die Gärten von Scholtesse Lej (Leo Hess) und Scholle Pitter (Peter Reetz). Jasse Päädche verschwand in den 1960er Jahren bei der Flurbereinigung.
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Jebönn Auch Jebünn, Mundartwort für „Fußboden“ oder allgemein für Bretterboden. Das Jebönn war früher „wie für de Iëwichkejt (Ewigkeit)“ aus dicken Eichenbrettern unterschiedlicher Breite gezimmert. Die Ritzen füllten sich mit der Zeit von selber mit Putzrückständen und Schuhsohlenabrieb und wurden nie gereinigt. Die Bretter wurden in bestimmten Abständen, meist zu besonderen Festen, mit spezieller rotbrauner Jebönnfärv (Farbe) gestrichen, die eine lange Trockenzeit beanspruchte. Tagelang roch es im ganzen Haus unangenehm nach Jebönnfärv. Das Verlegen von Bodenbrettern nannte man bönne, auch später noch, als es Nut- on Fedder-Bredder (Nut- und Federbretter) gab. Der Angeber und Prahlhans wurde mit der Redewendung „bliev om Jebönn“ (bleib auf dem Boden) zurechtgewiesen und wenn jemand Prügel bezogen hatte, hieß es angelegentlich : „Dä hät se äwwer joot jebönnt krijje“.
Jeck Der Jeck ist ein „Kind“ des Rheinlands, hervorgegangen aus dem hochdeutschen „Geck,“ der einen herausgeputzten „überkandidelten“ Mitmenschen bezeichnet. „Gek“ ist das holländische Wort für „Narr.“ Der rheinländische Jeck dagegen ist in erster Linie eine sehr positive Gestalt: Der Karnevalsjeck, der ausgelassen und fröhlich zu feiern versteht. Im negativen Sinn kann der Jeck aber auch ein Dummkopf oder Blödian sein. Das Adjektiv zum Jeck ist jeck, bei uns allerdings eher jeckich (siehe „jeckich Heulauch“). Im alltäglichen Sprachgebrauch sind Jeck und jeck derart häufige Wörter, dass sie sogar Eingang ins deutsche Wörterbuch (Bünting 1996) gefunden haben. Der Jeck kursiert in zahllosen Redewendungen, einige Beispiele: Jecke sin och Löck bei besonders einfältigem Benehmen; Jeck em Rään als Steigerung vom Jeck; mot ejnem dr Jeck maache bedeutet jemanden „veräppeln,“ und dazu gibt es ein Anekdötchen: Unser unvergessener Gastwirt Krämesch Pitter (Peter Schmitz) fühlte sich von seinen Thekengästen auf den Arm genommen und wehrte sich: Ihr wollt wohl mom ärme Jeck dr Wetmann maache! Wetmann ist der gängige Ausdruck für „Witwer.“ Das war ein lustiger Versprecher und sollte richtig heißen: Ihr wollt wohl mom ärme Wetmann dr Jeck maache (Ihr wollt wohl einen armen Witwer auf die Schippe nehmen).
Jeckeböhncher Auch „Jecke Böhncher.“ Die beiden Traditionsfiguren aus dem 400-jährigen Blankenheimer Karneval sind sozusagen „weltbekannt.“ Als „Vorspringer“ tanzen sie zu den Klängen des Juh-Jah (Blankenheimer Karnevalsmarsch) den Karnevalsumzügen voraus. Die Jecke Böhncher waren ursprünglich Zugordner (KV Blankenheim), hier hat der Begriff „Jeck“ also eine durchaus ernsthafte Bedeutung. Die Blankenheimer Jecke Böhncher sind einmalig und ausschließlich Blankenheimer Traditionsfiguren, sie sind nirgendwo sonst anzutreffen. Aufgrund dieser Einmaligkeit und wegen ihrer Bekanntheit, bezeichnete man zu meiner Kinderzeit in Nonnenbach jeden kostümierten Karnevalsjeck als Jecke Böhnche. Am Weiberdonnerstag beispielsweise erschienen morgens in unserer Schule ein paar maskierte Frauen aus dem Ort, scheuchten uns Kinder hinaus und versetzten dem protestierenden Lehrer ein paar „Pritschenhiebe.“ Damit hatten wir Schulfrei, - ein von uns Kindern sehr begrüßter Karnevalsbrauch in unserem kleinen Dorf. Die maskierten Frauen nannte man allgemein „de Jeckeböhncher.“
jeckich Heulauch Das mundartliche „Heulauch“ ist das hochdeutsche „Heuloch,“ ein etwas seltsamer Begriff, der aber in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft früherer Jahre alltäglich war. Das Heulauch war die, durch eine Falltür verschließbare Bodenluke, durch die vom Heustall (Heuboden) aus die täglichen Futterrationen in den darunter liegenden Foderjang (Füttergang hinter den Krippen) befördert wurden. Ein Heulauch war aber auch die Maueröffnung unter dem Dach, durch die beim Abladen das Heu vom Wagen auf den Heuboden gereicht wurde. Als „jeckich Heulauch“ betitelte man damals einen humorvollen Zeitgenossen, der seine Mitmenschen gern veräppelte (sich lustig machte). Diese Bezeichnung ist vermutlich darauf zurückzuführen, daß man sich beim Heuabladen gerne „durchs Heulauch hindurch“ von draußen nach drinnen und umgekehrt, ohne sich sehen zu können, mit witzigen Bemerkungen bedachte: Verrücktes Heuloch.
Jefei Zu Großvaters Zeiten war der Stallboden im Eifeler Bauernhaus mit groben, buckligen und meist an der Oberseite abgerundeten Feldsteinen gepflastert. Einen solchen Boden nannte man „Jefei,“ was offensichtlich auf das altdeutsche Wort „feien“ zurückgeht und „schützen, absichern“ bedeutete. Heute kennen wir allenfalls noch „gefeit“ als Ausdruck für „abgesichert“ oder „geschützt.“ Oft war auch im generell unbefestigten Hof des Bauernhauses entlang der Haustürfront ein meterbreiter Gehweg gepflastert, zum „Abtreten“ der Schuhe, damit der Hofschmutz nicht ins Haus getragen wurde. Dieses Jefei mußte jeden Samstag gereinigt werden und das war in der Regel eine undankbare Aufgabe des Familiensprösslings. Zwischen den Steinen klafften breite und tiefe Spalten, in denen sich der Schmutz sammelte. Das geeignete Reinigungsgerät war der Birkebeißem, (selbstgefertigter Besen aus Birkenreisig), dessen sperrige „Borsten“ das letzte Krümelchen aus den Pflasterritzen heraus beförderten. Et Jefei kehre war eine äußerst unbeliebte, langwierige und schweißtreibende Arbeit.
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jelle Wieder ein Mundartwort mit verschiedenartiger Bedeutung. Jeld ist das Geld, und „jelle“ heißt demnach „mit Geld umgehen“ in der Bedeutung von „kaufen, handeln, kosten.“ In weiten Teilen der Eifel ist auch jelde gebräuchlich, was die Wortbedeutung deutlicher macht. Auf dem Hellessemer Maad (Hillesheimer Markt) wollte Mattes e Kalev jelle (Ein Kalb kaufen), erkundigte sich zunächst, wat de Kalever jolle (was die Kälber kosteten), fand die Preise akzeptabel, und als er nach Hause kam, hatte er e Köhkalev jejolle (ein Kuhkalb gekauft). Jelle hat unterdessen auch die Bedeutung von „gelten“ in unterschiedlichen Anwendungen. Dat lossen ech jelle (das lasse ich gelten) ist beispielsweise eine Einverständniserklärung. Kicke jilt net hieß es beim Versteckspiel, wenn der „Sucher“ regelwidrig die Hand von den Augen nahm. Wat jilt de Wett ist das Angebot einer Wette. Jelle findet man schließlich noch im Zusammenhang mit „gelb,“ allerdings nur in wenigen Anwendungen: Ene jelle Appel beispielsweise ist ein gelber Apfel, und et Jelle vam Ei ist das Eigelb.
Jemadd Das Jemadd war zur Zeit unserer Eltern ein „Mähgang“ beim Gras- oder Getreidemähen. Die Breite einer solchen „Mahd“ war bestimmt durch die Fülle des Mähgutes, die Länge des Sensenstiels und nicht zuletzt durch die Armmuskeln des Mähders (Mähers). Unter günstigen Bedingungen konnte ein Jemadd bis zu zwei Meter breit werden. Auch den beim Mähen entstandenen Graswulst nannte man Jemadd. Es war im Krieg, 1943 oder 1944, drei Männer aus Nonnenbach und mein Vater hatten Heimaturlaub und mähten gemeinsam der Reihe nach die Heuwiesen des Dorfes. Auf unserer Wiese am Stömpche (Flurbezeichnung) wurde begonnen, die drei Nonnenbacher gedachten, dem schmächtigen Vossen-Hein einmal zu zeigen, wie gemäht wird. Sie teilten ihm das erste Jemadd zu, er mußte also zusehen, dass er den Nachfolgenden üß de Fööß kam und damit wollten sie ihn in Bedrängnis bringen. Die Wiese war etwa 80 Meter lang, Vater zog seinen Verfolgern davon, und als er am Ziel war, hatten die Drei kaum zwei Drittel des Weges geschafft. Dunnerkiel, Hein, wo häß du esu mähe jeliert (…wo hast du so mähen gelernt) wunderte sich Jupp, der das Wettmähen ersonnen hatte. Als Schreiner handelte Vater nach dem Motto „Mit stumpfem Werkzeug kann man keine gute Arbeit machen,“ seine Sense war scharf wie e Bartmetz (Rasiermesser). Vater hatte auf dem Jemadd nur viermal schliefe (mit dem Wetzstein nachschärfen) müssen, die anderen hatten mehr als doppelt so oft geschliffen..
Jering Mit „gering, minderwertig“ hat das Wort absolut nichts zu tun, vielmehr war es ein Begriff aus der Heuernte und bezeichnete die „Schwaden,“ zu denen das trockene Heu fürs Einfahren zusammen geschichtet wurde. Das geschah früher in mühsamer Handarbeit mit dem hölzernen Reichel (Rechen). Damals war für die Heuernte die gesamte Hausmannschaft erforderlich, dank moderner Maschinen erledigt heute ein Mann allein alle Arbeitsgänge, vom Mähen bis zum Pressen. Das Jering war eine, aus vier Rechenbreiten zusammen gescharrte „Heuwurst,“ der Abstand der Jeringer (Mehrzahl) untereinander war so bemessen, dass der Heuwagen bequem in den Zwischenraum passte und von beiden Seiten aus beladen werden konnte. Wer gutes Heu ernten wollte, der unterzog sich früher einer zusätzlichen, heute nicht mehr üblichen Arbeit: Hoppe. Das Heu wurde auf Haufen (Hoppe) gesetzt und über Nacht „ziehen“ gelassen. Am nächsten Morgen wurde es in dicken Lagen grob auseinander gestreut, die Restfeuchtigkeit trocknete auf und am Nachmittag konnte eingefahren werden. Auch beim Hoppe mussten zum Aufgabeln Jeringer hergestellt werden. Nur das „gehoppte Heu“ sei gutes Heu, lautete damals eine Faustregel, weil durchs Hoppe der letzte Feuchtigkeitsrest „ausgeschwitzt“ würde.
Jierdrögg Die Eifeler Bezeichnung für Gertrud. Jierdröggendaach (Gertrudentag) war im bäuerlichen Jahresablauf ein ganz besonderer Tag, weil hier die Arbeit in Feld und Garten einsetzte. Jierdröggendaach war im Bauernkalender der Frühlingsanfang. Eine Bauernregel besagt : „Sonniger Gertrudentag Freud dem Bauer bringen mag“. Weitere Formen von Gertrud waren Draut, Drout oder Drögg, im Alltag aber eher in Drautche, Droutche und Dröggche umgewandelt. In Blankenheimerdorf gab es früher das Geschäft „Aan Jierdrögge“, zu dem auch eine Bäckerei gehörte. Es ist das Stammhaus des heutigen modernen Kaufhauses Bell, dessen Seniorchef Hans-Josef auch die Bäckerei führt. Aan Jierdrögge war der typische Allerweltsladen, in dem vom Streichholz über Beißemsdroht (Besenbinderdraht), Farben, Brot und Hefeteilchen bis zu Axt und Heugabel alles zu haben war, was der Eifelbauer im Alltag benötigte. Aan Jierdrögge war, wie in allen übrigen „Dörfer“ Geschäften, sonntags nach der Messe der Laden ein Stündchen für die Kirchgänger aus Nonnenbach geöffnet, denen dadurch ein besonderer Einkaufstag erspart blieb.
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Jöckääsch (weiches ö) Ein längst verloren gegangenes Mundartwort aus Kindertagen. Jöck bedeutet Juckreiz und Ääsch ist die Mehrzahl der bekannten Vier Buchstaben, bedeutet also „Hinterteile“. Es wäre nun aber absolut falsch, aus dieser Kombination auf ein unfeines Wort zu schließen, vielmehr war „Jöckääsch“ der besonders bei den Kindern übliche Ausdruck für die Hagebutten. Die schönen roten Früchte der Wild- oder Heckenrose beinhalten unzählige „Nüsschen“, deren winzige Härchen auf der menschlichen Haut ein fürchterliches Jucken hervorrufen. Dieses natürliche Jöckpolever (Juckpulver) platzierten wir unbemerkt hinter den Hemdkragen des Schulkameraden. Dabei durfte man sich aber tunlichst nicht erwischen lassen, besonders dann nicht, wenn das „Opfer“ kräftiger war als der „Täter“.
Jött Landläufige Bezeichnung für die Taufpatin, die ihr Patentöchterchen liebevoll et Jöttche nannte. Die Jött war in der Regel eine enge Verwandte und gehörte zur Hausgemeinschaft. Sie war in ihrem Wesen vergleichbar mit der „Babička“, die der Sänger Karel Gott in seinem gleichnamigen Schlager beschreibt: Der gute Geist im Haus, die Trostquelle in jedem Kinderleid. Dorfbezogene Bezeichnungen für bestimmte Personen waren früher häufig, Büb etwa oder Männ. Bei uns daheim wurde unsere Tante Elisabeth im Dorf allgemein nur „Jött“ genannt. Sogar Lehrer Gottschalk schmunzelte bei der Durchsicht meiner Hausaufgaben: „Da hat dir aber Jött mal wieder geholfen“. Das männliche „Gegenstück“ zu Jött und Jöttche war und ist der Patt und sein Patensohn, das Pättche.
Jott sähn dech Gott segne dich, - zu unserer Kinderzeit ein häufig gebrauchtes Wort der Erwachsenen uns Pänz gegenüber, wenn einer von uns besonders herzhaft niesen musste. Vielfach bedachten sich auch die Jruëße (die Großen = Erwachsene) gegenseitig mit diesem Segenswunsch, der heute noch in der zeitgemäßen Redewendung „Gesundheit!“ fortlebt. Für unsere Eltern galt noch die Lebensweisheit, dass „alles Gute von oben kommt,“ dass also auch das leibliche Wohlergehen des Himmelssegens bedurfte. Gottes Segen sollte eigentlich von ewiger Dauer sein, unsere Jött daheim kannte aber in unserem speziellen Fall eine Einschränkung: Jott sähn dech honnert Johr, - wennde langer levs, moßtet selever dohn (Gott segne dich hundert Jahre, - wenn du länger lebst, musst du es selber tun). Manchmal war „Jott sähn dech“ auch ein Kommentar bei besonders intensivem Gähnen.
Jrompereschale An der Oberahr das Mundartwort für die Kartoffelschalen. Weit verbreitet ist auch der Begriff Äëpelschale, wobei „Äëpel“ (Erdäpfel) mit dem holländischen Wort „Aardappelen“ identisch ist. Über die Essbarkeit von Kartoffelschalen gehen die Ansichten auseinander, Quellmänn (Pellkartoffeln) in der Schale sind unterdessen für den Kenner ein Genuss. Früher kamen Jrompereschale in den Söüsejmer (wörtlich: Schweineeimer), in dem alle Küchenabfälle als Tierfutter gesammelt wurden. Die „Augen“ in normaldicken Kartoffelschalen bleiben lange Zeit keimfähig, aus ihnen bilden sich vollwertige Pflanzen: Beim Gartengraben im Frühjahr hatte ich unseren Kücheneimer in die Fuhr (Furche) entleert, im Sommer wuchsen hier Kartoffelpflanzen wie gesät. Schließlich sind Jrompereschale ein uraltes Eifeler Hausmittel für die Schornsteinreinigung, so kurios es auch klingen mag. Die frischen Schalen, auf nicht zu großer Flamme im Holz- oder Kohleherd verbrannt, mindern die Russbildung im Kamin. Das bestätigt auch der Schornsteinfegermeister unserer modernen Tage.
Jrompereschloot (hartes oo) Ein ebenfalls an der Oberahr gängiger Begriff für den Kartoffelsalat, regional vielfach eher als Äëpelschlaat bekannt. Es gibt ungezählte Herstellungsarten für das einfache, aber köstliche Gericht, häufig werden Öl oder Mayonnaise verwendet. Unser Familienrezept war zu meiner Kinderzeit die Zubereitung mit Schmand (Rahm zur Butterherstellung, Sahne), daheim wurde überhaupt jeder Salat und jedes Gemüse mit Schmand „angemacht.“ Die Erwachsenen gabelten die Jrompereschloot (der Salat ist im Eifeler Dialekt weiblichen Geschlechts) gemeinsam aus dem mächtigen weiß emaillierten Komp (Schüssel), wir Pänz reichten noch nicht an den Komp mitten auf dem Tisch heran und hatten unser Tellerchen. Diese Essmanier wäre heute undenkbar, sie war aber damals Landessitte und gewiss nicht weniger hygienisch als das heute noch anzutreffende kollektive Schlürfen aus einem einzigen Schnapsglas.
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Jrömmel Der Jrömmel ist generell der Krümel, speziell der Brotkrümel oder vom Kuchen Abgebröckeltes. Darüber hinaus bezeichnet man aber auch andere kleine Teilchen als Jrömmele, Tabakreste beispielsweise (Tubaksjrömmele), Speisereste oder ganz allgemein Kleinigkeiten: Jeff mir och en Jrömmel dovan af (Gib mir davon auch etwas ab). Uns Kindern wurde beim Aushändigen der Brotschnitte aufgetragen: Maach äwwer kejn Jrömmele (zerbröckele das Brot nicht, iss ordentlich), und nach der Mahlzeit wurden de Jrömmele vam Desch jekehrt (der Tisch gesäubert). Allenthalben bekannt ist die Redewendung en Jrömmel en dr Trööt, wenn beim Essen ein Speisebröckchen in die Luftröhre gerät und Hustenreiz verursacht. Eine besondere Eifeler Delikatesse war der Jrömmelskooche (Streuselkuchen), und ein hübsches Kleinkind war gelegentlich auch e nett Jrömmelche.
Jröömes (hartes ö) Der Jröömes ist das Wort für die Heiserkeit, - wieder ein Beispiel für die so häufig anzutreffende mundartliche Geschlechtsumwandlung eines Begriffs. Ech han mir jät dr Jröömes jehollt (Ich bin leicht erkältet), beklagte sich Nieres (Werner) mit rauher Stimme am Stammtisch, und prompt vermutete einer aus der Runde: Dann häßte dech wahl dis Nääch nackich jestrabelt, während sein Nachbar schätzte: Oder hä hät ze lang op dr Huusdüer jestanne. Sich nackt strampeln oder zu lange an der Haustür stehen waren (und sind) stichhaltige Argumente für einen plötzlichen Jröömes. Übermäßig strapazierte Stimmbänder reagieren sauer mit einem mehr oder weniger mächtigen Jröömes, Wahlkampfredner und Karnevalsprinzen vermögen darüber ein Liedchen singen. Kommt noch Alkoholkonsum hinzu, dann ist ein gewaltiger Jröömes bis hin zum beängstigenden Beinahe-Stimmverlust geradezu vorprogrammiert. Die eigene Erfahrung aus früheren Dörfer Kirmestagen hat das gelehrt. Ein anderes Wort für eine rauhe Kehle war jramm (gedehntes m wie bei Damm).
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