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16.08.2010




 

Blankenheimerdorf am 21.07.2010

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Baales
Baales ist ein Familienname in Blankenheimerdorf, der aber aus dem benachbarten Ort Nonnenbach „zugewandert“ ist. „Dr Baales“ (Der Baales) war ein feststehender Begriff im Dorf und nach seinem Berufswunsch gefragt, meinte dieser oder jener Schulbub begeistert: „Ech were Baales“ (ich werde Baales). Dr Baales hieß Theodor, stammte aus Nonnenbach und wurde dort „Baalesse Thueres“ genannt. Für die „Dörfer“ war er manchmal „Baalesse Theo“, meistens aber einfach „dr Baales“. Er war Metzger von Beruf und als Hausschlachter über die Dorfgrenzen hinaus ein Begriff. Die Hausschlachtung war damals an der Tagesordnung. Wenn ein Schuljunge Gefallen am Metzgerberuf fand, verkündete er stolz: „Wenn ech jrueß sen, weren ech Baales“. Theodor Baales starb im Dezember 1975 im Alter von 83 Jahren.

Bahnemänn
Der früher übliche Ausdruck für die Gesamtheit der Eisenbahner, der Einzelne von ihnen war ein „Bahnemann.“ Ebenso gab es Possmänn (Postler) oder Böschmänn (Waldarbeiter). Speziell in Blankenheimerdorf kannte man die Melzemänn (Belegschaft des Sägewerks Milz in Blankenheim-Wald). Zur Zeit unserer Eltern war die Bahn ein bedeutender Wirtschafsfaktor und Arbeitgeber, wenigstens ein Drittel aller Erwerbstätigen aus Blankenheimerdorf waren Bahnemänn und trugen stolz die blaue Uniform mit den goldenen Knöpfen und Kragenspiegeln, die allerdings in den Wirtschaftswunderjahren nach dem Krieg ziemlich ins Hinterreffen geriet. Da nämlich war man nur noch der ärme Iesebähner (arme Eisenbahner), dem der Handlanger vom Bau gönnerhaft ein Bier spendierte. Das änderte sich schlagartig mit dem Eintritt von Betriebsschließungen und Arbeitslosigkeit. Da nämlich beneidete nicht nur der Handlanger die Bahnbeamten um ihren krisensicheren Arbeitsplatz.

baschte

Ein heute noch gültiges Mundartwort mit mehrfacher Bedeutung. „Baschte“ bedeutet reißen, aufbrechen, platzen: „Et Jlas oß jebasch“, und wenn ich in Vaters Werkstatt mit dünnen Brettchen bastelte, wurde ich ermahnt: „Jank vüersichtich domot öm, dat Holz kan liëch (leicht) baschte“. Baschte war auch ein Kraftausdruck: „Et oß en Hetz (Hitze) für ze baschte“ oder „Dä Nool (Nagel) jeht en die Wand on wenn et basch“. Wenn sich jemand geärgert hatte, schimpfte er: „Ech hatt en Woot (Wut), ech meent ech mööt (müsste) baschte“. Auch als Umschreibung für „massenhaft, viel, sehr“ wurde baschte gebraucht: „Dies Johr jitt (gibt) et Jrompere (Kartoffeln) ze baschte („jede Menge“).

bätsche
Ein Ausdruck mit verschiedenartiger Anwendung. „Bätsch net esu, dat jehüet sech net“ (Schmatz nicht so, das gehört sich nicht) wiesen uns die Eltern zurecht, wenn wir Kinder etwas geräuschvoll unser Essen mampften. Hiervon abgeleitet war die Bätsch, ein etwas abfälliges Wort für „Mund.“ Einem Plappermaul wurde der Mund verboten: „Halt endlich die Bätsch“ und eine verbale Beleidigung wurde nicht selten mit einer Maulschelle quittiert: „So, dofür kreßte ejne op deng Bätsch“ (So, dafür kriegst du einen aufs Maul). Generell hatte „bätsche“ die Bedeutung von „quetschen, zerdrücken, kaputt machen.“ Karlchen hatte die Hühnernester visitiert und kam mit dem Resultat zurück: „Dä, sebbe Eier han ech, zwei sin er zerbätsch.“ Von sieben Eier zwei zerquetscht, - eine bedrohliche Situation! Im Teller de Jrompere zerbätsche war eine unfeine Essmanier, die feste Babynahrung wurde unterdessen möndchesmooß jebätsch (mundgerecht zerkleinert).

Bätscheler 
Obwohl die Aussprache gleichlautend ist, wurde mit diesem Wort auf gar keinen Fall der heute so häufig zitierte „Bachelor“ bezeichnet, den die Hochschulen als akademischen Abschlussgrad vergeben. Einen Bachelor kannten unsere Eltern noch gar nicht, wohl aber den mundartlichen „Bätscheler,“ mit dem sie ein Plappermaul bezeichneten, einen Schwätzer, der sich gern reden hörte, im Übrigen aber nur sinnloses Zeug von sich gab. Eine andere Umschreibung war Quatschkopp. Wer im Dorf als Dummredner bekannt war, vor dem warnte man den Uneingeweihten: „Jlöüv dem nix, dat os ene Bätscheler“ (Glaub dem nichts, das ist ein Schwätzer). Wir Pänz (Kinder) gingen den Eltern häufig mit unserem Gequengel (bohrendes Fragen) auf den Geist, bis Mam der Geduldsfaden riss: „Hüer endlich op mot dengem Jebätschel“ (Hör endlich auf mit deinem Geschwätz).

Bees 
Die offizielle Bezeichnung ist „Biestmilch“ und bezeichnet die erste Milch der Kuh nach der Geburt eines Kälbchens. Sie ist äußerst fett- und vitaminreich und enthält alle für das Gedeihen des Neugeborenen erforderlichen Aufbaustoffe. Bees ist gelblich gefärbt und sieht nicht unbedingt appetitlich aus, aus Bees selbstgefertigter Klatschkäs (Quark) war aber für unsere Eltern eine Delikatesse, die ich allerdings ob ihrer Färbung verschmähte. Die dickflüssige fette Bees war bei uns daheim ein Heilmittel bei kleineren Wunden, die man sich im Alltag zuzog. Tatsächlich half sie sehr gut bei Schronne (Schrunden, rissige Hände), leider konnte man sie aber nicht so lange aufbewahren wie etwa ungesalzenes weißes Schweineschmalz, das gleichermaßen bei rauhen Händen half. Bees wurde nicht zuletzt zur Fußbodenpflege benutzt und war tatsächlich ein brauchbarer Ersatz für teure Holzpflegemittel. Die begrenzte Haltbarkeit der Milch fiel auch hier naturgemäß nachteilig ins Gewicht.

Bläu 
Mundartwort für „Bläue,“ abgeleitet vom französischen „bleu“ (blau), speziell angewandt für „Wäscheblau.“ Als Kind begriff ich nicht, warum Mam beim Waschen stets eine kleine Portion Bläu in den letzten Spülgang tat, sie kannte genau die erforderliche Menge, die sich am Gewicht der Wäsche orientierte. Bläu kaufte man beim Dorfkrämer, ein Achtelpfund reichte eine halbe Ewigkeit. In vielen dörflichen Allerweltsläden gab es früher ein Holzregal, dessen diverse Schubladen alle gängigen Trockenfarben enthielten, darunter neben Ocker, Moosgrün und Umbra auch Bläu, die Verkaufsmengen wurden nach Gramm berechnet. Bläu wird auch heute in der modernen Waschmittelindustrie als Weißmacher verwendet, im Chemieunterricht lernten wir, warum das so ist. Als es nach dem Krieg keine Seife gab, wurde daheim sogar mit fein gesiebter Holzasche aus dem Küchenherd gewaschen.

Blausteff (weiches e)
Ein Schreibmittel früherer Jahre: der Blaustift, wegen seiner Dokumentenechtheit auch „Kopierstift“ genannt. Zum Schreiben feuchtete man üblicherweise die Spitze ein wenig an. Dadurch wurde die Farbe kräftiger, allerdings hinterließ die Prozedur auch deutliche dunkelviolette Spuren an Lippen und Zunge, die nur schwer zu beseitigen waren. Die Kopierstiftminen waren dem Vernehmen nach gesundheitsschädlich, Blaustifte waren bei uns in der Schule nicht zugelassen. Im Gegensatz zum Bleistift, lässt sich Blaustiftschrift nicht ausradieren, zumindest nicht ohne Beschädigung des Papiers. Noch in den 1960er Jahren führte bei der Iesebahn (Eisenbahn) der Fahrdienstleiter sein Zugmeldebuch mit Blaustift, später wurde der Kugelschreiber zugelassen. In Vaters Schreinerwerkstatt gab es stets zwei Schreibstifte: Den dicken Schrengersteff (Schreinerstift) zum Anreißen der Werkstücke, und einen Blausteff für Einträge in die Arbeitsunterlagen.

Blooder (hartes o)
„Himmel Dunnerkiel“, wetterte Pap (Vater) und schlenkerte heftig die linke Hand, „dat jitt en Blooder“! Der Hammer war vom Nagel abgerutscht und hatte den Zeigefinger gestreift. Das schadenfrohe Grinsen verging mir auf der Stelle: Vaters hammerbewehrte Rechte vollführte eine ausholende Bewegung und ich ging blitzschnell hinter dem Mäuerchen in Deckung. Blooder war unser Wort für die schmerzhafte Blutblase, die man sich meistens durch Unachtsamkeit selber zufügt. „Mam, ech han mir jrad dr Fonger (Finger) jepetsch (gequetscht)“, heulte Hännesje. Mam drückte rasch die kalte Klinge des Brotmessers auf die entstehende Blooder. Das tat zwar jämmerlich weh, sollte aber wenigstens zum Teil das Anschwellen verhindern. Eine solche „Behandlung“ kam unterdessen meistens zu spät, weil sich die Blase bereits mit Blut gefüllt hatte. Äußerst schmerzhaft war auch die Blooder, die man sich häufig bei neuem und noch nicht „eingelaufenem“ Schuhwerk an den Füßen zuzog.

Bönnbrett (weiches ö)
Ein Fußboden aus Holzdielen war bei unseren Eltern ein Jebönn, regional auch Jebünn. Der Ausdruck ist möglicherweise von „bonne“ oder „benne“ hergeleitet, was „binden“ bedeutet: Beim Jebönn sind viele Einzelbretter miteinander verbunden. Eine einzelne Diele war somit ein Bönnbrett. Gängiges Bönnmatrial (Material) waren zehn Zentimeter breite Fichtenbretter mit angefräster Nut on Fedder (Nut und Feder). Zum fugenfreien Verlegen mussten die Bretter entsprechend aneinander gefügt werden. Hierfür gab es so genannte Dielenpressen, die durch Hebelwirkung einen enormen Pressdruck erzeugten. Gewöhnlich musste ich meinem Vater beim Verlegen von Fußböden zur Hand gehen. Eine Dielenpresse besaßen wir nicht, wir behalfen uns auf althergebrachte Weise mit „Bauklammern“ und Holzkeilen.

Bookert (hartes o)
Das Wort bezeichnete die Vogelscheuche und war möglicherweise vom holländischen „bok“ abgeleitet, was „Bock“ bedeutet. Einen starrköpfigen Menschen bezeichnen wir als „sturen Bock“. Die Vogelscheuche besaß annähernd Menschengestalt und stand starr und unbeweglich auf ihrem Platz im Feld. Daraus war die Redewendung „stur wie ene Bookert“ entstanden. Das hölzerne „Gerippe“ der Scheuche war mit Lompe (zerlumpte Kleidungsstücke) behangen. Von einem schlecht gekleideten Menschen wurde somit behauptet : „Dä oß zerlomp wie ene Bookert.“

Briebeißem
Ein Gerät, das in seiner ursprünglichen Form nicht mehr existiert: Der „Breibesen“ war früher in jedem Haushalt unentbehrlich. Er wurde zum Anrühren von Milchbrei gebraucht. Als im Krieg die Zentrifugentrommeln und Butterfaßflügel requiriert wurden und den Bauern die eigene Butterherstellung verboten war, rührte unsere Jött mit dem Briebeißem im Stejndöppe (Steintopf, Keramikgefäß) Butter an, - eine unendlich mühselige und obendrein damals strafbare Tätigkeit. Der Briebeißem bestand aus einem etwa drei Zentimeter dicken und 30 Zentimeter langen Reisigpäckchen aus weiß geschälten Haselnuß- oder Weidenzweigen, auch geschmeidige Birkentriebe wurden verwendet. Als natürliche Aufhängevorrichtung ragte am oberen Ende fingerlang ein hakenförmiger Zweig hervor.

bröhe
Ein Eifeler Wort mit zweifacher Bedeutung. „Et Füer bröht schlech“ (Das Feuer brennt schlecht), ärgerte sich Jannespitter, weil die Winterluft im Kamin „stand“ und der Küchenherd nicht „zog“. Im Nachbargarten qualmte es mächtig, dort war Köbes „Jelöüf (Kartoffellaub) am verbröhe“, und Höppertche (Hubertchen) kam heulend ins Haus gelaufen: „Mam, ech sen en de Bröhneissele (Brennesseln) jefalle“. Bröhe war ein vielgebrauchtes Wort für „brennen“, die zweite Bedeutung war „brühen“ und wurde meistens im Sinne von „abbrühen“ verwendet. So war unter anderem bei der Hausschlachtung das „Affbröhe“ (Abbrühen) der Schweineborsten mit kochendem Wasser und Schabglocke eine Alternative zum Sengen (Abbrennen). Brööt war die Bezeichnung für Brühe jeglicher Art.

Bröötsch (hartes ö)
Bröötsch war früher das landläufige Wort für Hautausschlag jeglicher Art, im weitesten Sinne auch für Hautschäden oder verkrustete Wunden. Als Schulkinder hatten wir alle naselang „en Bröötsch an dr Muul (Ausschlag am Mund), was vermutlich auf mangelhafte Ernährung und Hygiene zurückzuführen war. Meistens entstand die Bröötsch aus den schmerzhaften Herpesbläschen. Der Ausschlag wurde mit ungesalzenem weißem Schweineschmalz behandelt, von dem für solche Zwecke immer ein Döppche (Töpfchen) voll im Köcheschaaf (Küchenschrank) aufbewahrt wurde. Das Schmalz hielt die Haut geschmeidig und verhinderte die Bildung von blutenden Schronne (Schrunden). En Bröötsch an dr Muul war die „Strafe“ dafür, daß man „schejf jebütz“ (schief geküsst) hatte oder „dem Pastuur an de Jreewe wor“ (von des Pfarrers Grieben genascht hatte).

Brüning
Den Familiennamen Brüning verbinden wir auf Anhieb mit dem Vornamen Heinrich und denken dabei an den Zentrumspolitiker (1885 bis 1970), der als Reichskanzler (1930 bis 1932) ein Stück deutscher Geschichte geschrieben hat. In Blankenheimerdorf gab es ebenfalls einen „Brüning,“ der hieß aber mit gut bürgerlichem Namen Peter Friederichs und wurde ob seiner frappanten Ähnlichkeit mit dem erwähnten Politiker, allgemein eben Brüning genannt. Nach seinem Elternhaus hieß er eigentlich ortsüblich „Klobbe Pitter,“ dem wurde aber „Brüning“ in der Regel vorgezogen. Peters Bruder war der im Juni 2001 verstorbenen Johannes Friederichs, den man in der halben Eifel als „Klobbe“ kannte und schätzte. Peter „Brüning“ Friederichs fiel im Mai 1944 als Flaksoldat im Alter von 28 Jahren. Er war in seinem Dorf wegen seines freundlichen und hilfsbereiten Wesens beliebt. Ich selber bin ihm in meiner Kinderzeit einmal am Kasseschopp (Dreschanlage) begegnet, wo er die Aufsicht führte.

Büsch
Beim Flegeldreschen wurde das ausgedroschene Weerstrüh (Wirrstroh) zu „Bauschen“ zusammengebunden. Die Bausche war ein dickes Strohbündel, das bei uns „Büsch“ genannt wurde. Das Gegenstück der Büsch war die Järv (Garbe aus ungedroschenem Getreide). Die relativ schweren Büsche wurden auf dem Steijer (Steiger, Balkendecke über der Tenne) verwahrt und dienten im Winter als Viehfutter oder Stallstreu. Vom Dreschen abgeleitet war auch der Ausdruck büsche im Sinne von „prügeln“, beispielsweise wurde der Wirtshausstreit kommentiert: „En dr Wietschaff sen se sech am büsche“. Gelegentlich steht Büsch auch für den mundartlichen Bösch (Wald). Auf die Frage des Lehrers, was er denn gestern gemacht habe, erzählte Jüppche stolz: „Gestern war ich mit meinem Pap im Büsch“.

büüle
Noch zur Zeit unserer Eltern kannte man „büüle“ als Ausdruck für das gegenseitige Aufwiegen von erbrachten Leistungen. Mein Vater hatte beispielsweise einem Bauersmann aus dem Dorf ein Kellerfensterchen angefertigt, der Mann fuhr uns mit seinem Ochsengespann zwei Wagen Heu ein. Bei der gegenseitigen Abrechnung ging es dann bargeldlos zu : „Losse mir büüle,“ und das hieß : Deine Arbeit gegen die meine, wir sind quitt. Im Eifeler Dialekt gibt es auch das Hauptwort Büüle. Das ist die Mehrzahl von Büül und bedeutet „Beulen.“ Als Kinder hatten wir beispielsweise häufig mit Frossbüüle (Frostbeulen) zu kämpfen. Wenn am Wassereimer hier und da die Emaille abgeplatzt war, so nannte man derartige Stellen verschiedentlich auch Büüle, richtiger war in diesem Fall aber der Ausdruck Blötsche, das nämlich ist das Dialektwort für „Dellen.“
 

zeröck

erop