Wappen Blankenheimerdorf
Gästebuch

Letzte Aktualisierung

21.07.2010




 

Blankenheimerdorf am 21.07.2010

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Kaaf 
Allgemein gebräuchlicher Ausdruck für die Spreu, den Abfall beim Getreidedreschen. Kaaf ist eigentlich kein echtes Mundartwort, es ist vielmehr vom hochdeutschen „Kaff“ abgeleitet, was ebenfalls Spreu bedeutet (Lingen 1978, Band 17). In der Vulkaneifel sagt man „Koof“ und bei unseren holländischen Nachbarn heißt es „Kaf.“ Ohm Mattes, mein Onkel, hat zeitlebens auf dem Kaafsack geschlafen. Das war ein bettgroßes, mit Kaaf gefülltes Kissen, das die Matratze ersetzte und Zeech genannt wurde. Als Unterbett war der frische Kaafsack weich und warm, mit der Zeit wurde er aber knubbelich und mußte neu gefüllt werden. Die Matratze von heute hält unterdessen auch nicht ewig.

Kaffeekauch  
Den Kaffeekauch (Kaffeekoch) traf man früher in jeder größeren Arbeitsgemeinschaft an, beispielsweise in der „Rotte“ bei der Bundesbahn. Die Leute arbeiteten weitab von Ansiedlungen auf der freien Strecke und führten ihre Verpflegung in der Mitt (Kochgeschirr, Essenbehälter) und in der Möüt (Feldflasche, Metallflasche) mit sich. Längst nicht jeder besaß eine Thermosflasche. Der Kaffeekauch war eigens dafür abgestellt, zum Frühstück für heißen Kaffee zu sorgen und zur Mittagspause die Essentöpfe pünktlich und möndchesmooß (mundgerecht) aufgewärmt zu präsentieren. Zum Handwerkszeug des Kaffeekochs gehörte eine große flache Blechwanne, die mit Wasser gefüllt und über dem Feuer erhitzt wurde. Im heißen Wasser wurden die Mitten und Kaffeeflaschen aufgewärmt. Der Kaffeekauch war ein wichtiger Mann in der Gruppe. Er hatte für das leibliche Wohl seiner Kameraden zu sorgen und wehe ihm, wenn ihm einmal etwas danebenging.

Kasseschopp
Ein typisches Blankenheimerdorfer Wort, übersetzt „Kassenschuppen“. Es bezeichnete die große Halle im Ortsteil Zollstock, in der die Dreschanlage der Raiffeisenkasse untergebracht war. Die Genossenschaftsbank stellte damals in vielen Gemeinden landwirtschaftliche Geräte - Pflug, Kultivator, Egge, Ackerwalze - zur Verfügung, die gegen eine geringe Gebühr ausgeliehen werden konnten. Ebenso unterhielt die „Raika“ Dreschanlagen wie den Kasseschopp in Blankenheimerdorf. In einem kleinen Nebenbau stand hier auch ein „Trieur“ (Reinigungsmaschine für Saatgut) zur Verfügung. Im Ähr (Erntemonat, August) war am Dreischkaaste (Dreschkasten) täglich Hochbetrieb bis spät in die Nacht. Der Mähdrescher hat längst den Dreschkasten verdrängt, der Kasseschopp wird heute privat genutzt.

Klenkemöll
Örtlich auch Klinkemöll, eine Sammelbezeichnung für Molche, Lurche, Unken und Salamander. Bei uns daheim war mit „Klenkemöll“ besonders der Feuersalamander gemeint. Das glänzend schwarze Tier mit den leuchtenden gelben Flecken war uns Kindern unheimlich, zumal es angeblich auch giftig war. Das Gift verursachte allerdings bei Berührung nur ein leichtes Hautbrennen, wir registrierten es kaum. Unweit vom Haus besaßen wir „om Lohr“ (Flurname) einen Acker, auf dem wir unter Steinen des Öfteren Feuersalamander fanden. Der Ausdruck Klenkemöll ließe sich eventuell mit „Klingmolch“ übersetzen, wobei „Klenke“ auf das „Läuten“ (Klingeln) der Geburtshelferkröte zurückzuführen und „Möll“ von „Molch“ abzuleiten wäre.

Knauch
„Mir dohn all Knauche wieh“ (Mir tun alle Knochen weh) kuump (jammerte, von küüme = jammern, klagen) Pitterjuësep beim Jrompere üßdohn (Kartoffeln aushacken) und stützte sich auf den Kaasch (zweizinkige Hacke). Ohm Mattes hatte sich beim Holzfällen de Knauche jeschend (die Hände verletzt, geschunden) und Tant Bärb (Barbara) konnte sich schlecht bücken, weil sie Jiëch en de Knauche (Gicht in den Knochen) hatte. Ein kleiner Knochen war und ist ein Knäuchelche, beispielsweise et Stätzknäuchelche (das Steißbein). Wir Pänz mussten daheim auf dem Trittstein vor der Haustür Knauche kloppe (klopfen, zerkleinern), als Hühnerfutter. Die Kipcher (Hühner, holländisch: Kip = Huhn) rissen uns die Bröckchen geradezu aus der Kinderhand. Im Eifeler Dialekt ist der Knochen unabdingbar weiblichen Geschlechts: Die Knauch, die Kirmesknauch zum Beispiel. (der) Knauch ist gegen jede Eifeler Dialektform, wird aber hier und da angewandt.

Knödde
Ein Knödde ist schlicht und einfach ein Knoten, die Wortverwandtschaft ist unverkennbar. Der Mundartausdruck hat mehrfache Bedeutung. So ist beispielsweise ein kleingewachsener Mensch ein Knöddche (Knötchen) und der Suffknödde (Saufknoten) ist ein Eifeler Wort für den Adamsapfel. Beim Holzhacken mühte sich Hahnebrochs Schäng mit einem besonders astknotigen Haustöck (Hackstück) ab und knirschte : „On wenn et basch (Kraftausdruck), dech fraggech (zäh) Loder krejen ech klejn, du kanns Knödde han esuvill de wells.“ Ein Knödde em Sackdooch (im Taschentuch) war und ist eine gebräuchliche Gedächtnisstütze und der Kinderschuh ließ sich nicht vom Fuß bringen, weil der Schohreeme (Schnürsenkel) sich verknöddelt hatte. Einen dicken oder massiven Knoten nannte man auch „Knodde.“

knommele (weiches o)
Verwirren, durcheinander bringen, Unordnung stiften, basteln, zustande bringen, tüfteln, – alles das und noch mehr besagte das Mundartwort „knommele“. Da war beispielsweise der Schnürsenkel am Schuh „verknommelt“ und ließ sich nicht aufziehen. Nachbars Köbes war „ene richtije Knommelspitter“, der selten einen Handwerker brauchte, weil er „sech alles selewer zesameknommelt“ (selber bastelt). Am Reichel (Rechen) mussten abgebrochene Zähne erneuert werden und das war „en lästich Knommelsärbed“ (lästige Fummelei). Wer unordentlich gekleidet war, der sah „knommelich“ aus. Und weil Drinche beim Kirmesball zweimal den Mattes bei der Damenwahl zum Tanz holte, tuschelte man: „Die zwei han bestemp e Knömmelche“.

Krall 
Ein Wort mit mehrfacher Bedeutung. In erster Linie bezeichnet es die Tierkralle, nach deren Form auch die „Teufelskralle“ benannt ist. Diese Blume hieß bei uns Düwelskrall. Weniger bekannt ist die Krall als Schmuckgegenstand. „Du häß jo en nöü Krall aan“, bestaunte Lieschen ihre Schulfreundin und war ein wenig neidisch, weil ihre eigene Krall nur aus bunten Glasperlen bestand. Es gab damals Halsketten aus Korallenästen, dem so genannten „Korallenskelett“, die wegen ihrer ungewöhnlichen Form und ihrer kräftigen roten Farbe bei den Mädchen sehr beliebt waren. Eine solche Kette nannte man Krall, wobei offensichtlich die Koralle über „Korall“ zur „Krall“ verstümmelt wurde. Vielleicht auch erinnerten die bizarren Korallenäste ein wenig an die Tierkrallen. Die Bezeichnung Krall übertrug sich in der Umgangssprache auf Halsketten jeglicher Art.

Kuttekopp
Mundartwort für die Kaulquappe (Froschlarve). Zu meiner Kinderzeit gab es in jedem flachen und ruhigen Gewässer im Frühjahr Kutteköpp in Massen. Wir Pänz fingen mühsam die wibbeligen (unruhigen, beweglichen) Tierchen mit der Hand ein und sperrten sie in ein Einmachglas mit Wasser, - wo sie nach kurzer Zeit verhungerten, weil ihnen die „Babynahrung“ fehlte: Froschlaich. Unser damaliger Zeitvertreib wäre heute geradezu eine Freveltat gegen den Naturschutz. In der Südeifel heißt die Kaulquappe „Koutsekopp“.
 

zeröck